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title: "Die zweite Chance, die der EU AI Act uns gibt"
url: https://wordsvalues.de/eu-ai-act-als-kommunikationschance/
date: 2026-07-23
modified: 2026-07-23
author: "Wolfgang Griepentrog"
description: "Der 2. August 2026 ist die Chance, den EU AI Act nicht als Compliance-Pflicht abzuhaken, sondern als Anlass für die eigene KI-Kursbestimmung zu nutzen. Der Beitrag zeigt, wie Unternehmen aus dem Fehler der Digitalisierung lernen: KI-Einführung ist ein Change-Prozess, der eine echte KI-Strategie und eine KI-Change-Story braucht, die Belegschaft und Führung gemeinsam trägt."
categories:
  - "Leadership"
tags:
  - "Digital Omnibus on AI"
  - "Dr. Wolfgang Griepentrog Interim Executive Kommunikation"
  - "EU AI Act 2. August 2026"
  - "EU AI Act Unternehmen Pflichten"
  - "Hidden Talk"
  - "KI Change Management"
  - "KI-Change-Story"
  - "KI-Kursbestimmung"
  - "KI-Strategie entwickeln Unternehmen"
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# Die zweite Chance, die der EU AI Act uns gibt

## Der 2. August 2026 ist ein guter Anlass für Ihre KI-Kursbestimmung

Management Summary
Die Digitalisierung war eines der größten Change-Projekte, die Unternehmen je durchlaufen haben, und sie ist bei rund 70 Prozent der Fälle gescheitert. Die Einführung von Künstlicher Intelligenz ist ein ebenso großer Change-Prozess. Er muss systematisch gesteuert werden, und er braucht eine KI-Change-Story, der die Belegschaft folgen kann, sonst wiederholt sich derselbe Fehler, nur schneller. Der EU AI Act zwingt Unternehmen jetzt dazu, genau das systematisch zu entwickeln, ob als Compliance-Pflicht empfunden oder als Chance zur echten KI-Kursbestimmung genutzt.

Dieser Beitrag zeigt, warum der 2. August 2026 der richtige Zeitpunkt ist, den Fehler der Digitalisierung nicht zu wiederholen: indem Sie den AI Act zum Anlass nehmen, eine echte KI-Strategie und die KI-Change-Story zu entwickeln, die für Ihr Unternehmen passt.

Info

### Zur Einordnung: Worum es beim EU AI Act abAugust 2026 geht

Der EU AI Act betrifft ab dem 2. August 2026 grundsätzlich jedes Unternehmen, unabhängig von Branche und Größe, das Künstliche Intelligenz in der EU entwickelt, importiert oder einsetzt. Das Gesetz unterscheidet nicht nach Rechtsform, sondern nach Rolle mit Blick auf die KI (Anbieter, Betreiber, Importeure oder Händler). Von den Grundpflichten ist kein Unternehmen ausgenommen.

Mit dem im Sommer 2026 formell verabschiedeten „Digital Omnibus on AI“ wurden die strengen Pflichten für Hochrisiko-Systeme zeitlich verschoben: auf Dezember 2027 für eigenständige Systeme, auf August 2028 für Systeme, die in bereits regulierte Produkte eingebettet sind.

**Am 2. August 2026 **treten Dinge in Kraft, die praktisch jedes Unternehmen berühren: die Transparenzpflichten nach Artikel 50, etwa die Kennzeichnung von Chatbots, Deepfakes und KI-generierten Texten, und die vollen Bußgeldbeträge für Verstöße, bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

*Die Verschiebung der Hochrisiko-Pflichten ist kein Freibrief, das Thema zu vertagen. Die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 gilt bereits seit Februar 2025, Transparenzpflicht und Bußgeldrisiko gelten unverändert ab August 2026. Und die Frage, was KI für Ihre Prozesse bedeutet, stellt sich unabhängig vom Gesetzestext.*

## Wir haben diesen Fehler schon einmal gemacht

Digitalisierung ist keine primär technische Herausforderung. Sie ist ein prozessuales Thema. Wer digitalisieren will, muss zuerst die eigenen Prozesse genau beschreiben und optimieren, und sich dann der eigentlichen Kernfrage stellen: Was wollen, und was können wir überhaupt digitalisieren? Genau dieses Denken muss jetzt **auf Künstliche Intelligenz übertragen **werden. Die entscheidende Frage ist nicht mehr, welche Tools verfügbar sind. Sie lautet: Welche Prozesse in unserem Geschäftsmodell lassen sich mit KI besser oder effizienter gestalten? Antworten darauf entstehen nicht am Reißbrett der Geschäftsführung, sondern gemeinsam mit den Fach- und Führungskräften, die diese Prozesse umsetzen und ausfüllen. Auch dieser Change-Prozess ist daher ein Beteiligungsprozess. Er lässt sich nicht "anordnen". Wo diese Prozessfrage ausbleibt, bleibt auch der Nutzen der KI-Implementierung aus.

Die Zahlen stützen diesen Befund. Eine 2023 veröffentlichte [Infeedo-Studie](https://www.infeedo.ai/blog/why-most-digital-hr-transformation-projects-fail) führt das Scheitern von 70 Prozent der digitalen Projekte auf genau diesen blinden Fleck zurück: zu viel Fokus auf Technologie, zu wenig auf Prozesse und Menschen. Die [Boston Consulting Group](https://www.bcg.com/publications/2026/we-found-the-real-reason-70-of-transformations-fail) kommt aus anderer Richtung zum selben Befund: Die Scheiternsquote von rund 70 Prozent hat sich seit den 1980er-Jahren nicht verbessert – obwohl die Menschheit in derselben Zeit die Weltwirtschaft digitalisiert und das menschliche Genom entschlüsselt hat. Der Fortschritt bei der Technologie war enorm. Der Fortschritt darin, Menschen erfolgreich durch Veränderung zu führen, blieb aus.

Und jetzt passiert es wieder, nur schneller. Laut [Bitkom-Studie 2026](https://remote-native.de/wissen/bitkom-ki-studie-2026-strategieluecke/) nutzen 41 Prozent der deutschen Unternehmen bereits KI, aber nur 21 Prozent haben eine formale KI-Strategie. Der Grund: KI wird überwiegend als persönliches Produktivitätswerkzeug genutzt, ohne dass Workflows, Rollen oder das Betriebsmodell sich verändern – dieselbe Werkzeugfalle wie bei der Digitalisierung, nur mit höherem Tempo. Auch [PwC Deutschland](https://www.pwc.de/de/pressemitteilungen/2026/ki-transformation-als-lippenbekenntnis-waehrend-ki-vorreiter-ihre-faehigkeiten-ausbauen-fehlen-vielen-unternehmen-zentrale-grundlagen.html) warnt 2026: Trotz wachsender Investitionsbereitschaft fehlen vielen Unternehmen die grundlegenden Fähigkeiten für eine echte KI-Transformation. Sie droht zum Lippenbekenntnis zu werden. Vor kurzem formulierte es der Transformations-Profi [Adolfo Carreño](https://adolfocarreno.com/2026/05/18/ai-transformation-is-repeating-every-structural-mistake-of-digital-transformation-at-twice-the-speed/) noch pointierter: KI-Transformationen wiederholten sämtliche strukturellen Fehler der Digitalisierung, nur doppelt so schnell. Sein Fokus liegt auf Autorität und Rollenarchitektur, eine wichtige Ergänzung, denn auch diese Fragen lassen sich nur beantworten, wenn vorher über Prozesse gesprochen wurde.

Wo die Prozessfrage nicht gestellt wird, wandert sie dorthin, wo Organisationen tatsächlich verhandeln, was sie glauben: in die Kaffeeküche, in den Flurfunk, in den kurzen Blick zwischen zwei Kolleginnen nach der Pflichtschulung. Diese Ebene nenne ich[ Hidden Talk,](https://wordsvalues.de/hidden-talk-die-macht-der-zwischentoene/) die changerelevante Ebene der unausgesprochenen, informellen Kommunikation in jedem Unternehmen. Wenn niemand die Prozessfrage stellt, stellt sie am Ende die Belegschaft selbst – nur eben nicht im offiziellen Format und in der Regel nicht im Interesse der Geschäftsführung.

> Wenn Sie den EU AI Act auf dieser Ebene eher als regulatorische Zumutung betrachten, verspielen Sie eine wichtige Chance, auch wenn Sie formal die Vorgaben erfüllen.

## Der Perspektivwechsel: Von der Pflicht zur Frage

Der EU AI Act ist für mich nicht das eigentliche Thema. Er ist ein Anlass; er macht von außen Druck und zwingt Unternehmen, eine Frage zu beantworten, die ohnehin überfällig ist. ***Was wollen wir mit Künstlicher Intelligenz erreichen und wie wollen wir sie einsetzen?***

Drei Schritte machen daraus eine Story, der Menschen folgen.

**Erstens: den Zwang ehrlich benennen. **Der regulatorische Druck ist real: Es gibt feste Fristen, Bußgeldrisiken, Mitbestimmungstatbestände. Wer das kleinredet oder hinter Worthülsen von der „Chance der Digitalisierung“ versteckt, verspielt von der ersten Minute an Glaubwürdigkeit.

**Zweitens: die Konsequenzen der Passivität verständlich machen. **Wer den AI Act rein defensiv als Compliance-Hürde abarbeitet, bleibt bei der Mindestpflicht stehen, schafft aber keine Orientierung, was zu wachsender Verunsicherung in der Belegschaft führt.

**Drittens: ein Zukunftsbild entwickeln, das Orientierung gibt. **Ein Zukunftsbild ist keine Programmformel, die man in hübsche Präsentationen packt. Es wird erst dann konkret, wenn es Prozess für Prozess beantwortet, was sich ändert – genau die Frage, die bei der Digitalisierung ausgelassen oder nur ungenau beantwortet wurde.

Der EU AI Act liefert dafür etwas, das viele Change-Prozesse schmerzlich vermissen: einen unverhandelbaren Zeitrahmen. Nutzen Sie ihn!

## Mehr als Compliance: Ihre KI-Strategie ist auch eine Kulturfrage

Die Digitalisierung war und ist für Unternehmen eines der größten Change-Projekte überhaupt, wobei sie oft überhaupt nicht als Change-Projekt verstanden und behandelt wird. Die Einführung von KI ist ein ebenso großer Change-Prozess, mit demselben Risiko: Wer ihn nicht systematisch steuert, überlässt das Ergebnis dem Zufall. Was dafür verlangt wird, hat einen Namen: eine KI-Strategie. Gemeint ist der formelle Fahrplan eines Unternehmens, um Künstliche Intelligenz gezielt zur Erreichung der Geschäftsziele einzusetzen, Risiken zu minimieren und unkoordinierten Aktionismus zu verhindern. Nach den gängigen Rahmenwerken von Beratungen wie Gartner und McKinsey ruht sie auf sechs Pfeilern: Vision und Business-Alignment, ein priorisiertes Use-Case-Portfolio, eine belastbare Daten-Infrastruktur, Talente und Fähigkeiten, eine klare Governance und, last but not least, eine Roadmap von ersten Piloten bis zur Skalierung.

Auffällig knapp behandelt wird in diesen Rahmenwerken jedoch genau der Punkt, an dem Strategien in der Praxis scheitern: die kulturelle Verankerung. Eine KI-Strategie, die nur als Dokument existiert, verändert nichts. Wirksam wird sie erst, wenn sie zu einer KI-Change-Story wird: einer Erzählung, der die Belegschaft folgen kann, warum das jetzt geschieht, was sich für wen ändert, und wie das Unternehmen gemeinsam dorthin kommt. Das ist der Baustein, der in den Berater-Frameworks nicht explizit vorgesehen ist, und genau hier muss die Kommunikations- und Change-Arbeit ansetzen.

Info

### So formulieren Sie Ihre KI-Strategie

Eine KI-Strategie ist der formelle Fahrplan, mit dem ein Unternehmen KI gezielt auf seine Geschäftsziele ausrichtet, Risiken begrenzt und unkoordinierten Tool-Aktionismus verhindert. Orientierung bietet unter anderem das [Gartner AI Strategy Framework](https://www.gartner.com/en/articles/ai-strategy-for-business). Der Ablauf in der Praxis:

- Vision festlegen: Wie unterstützt KI die Unternehmensstrategie, in konkreten, messbaren Zielen statt vager Absichten?

- Reifegrad prüfen: Wie steht es um IT-Infrastruktur und Datenqualität als Grundlage jeder KI-Nutzung?

- Use Cases priorisieren: 3–5 Initiativen nach Geschäftswert und Komplexität auswählen, statt überall gleichzeitig zu testen.

- Governance definieren: Verbindliche Leitlinien zu erlaubten Tools, Verantwortlichkeiten und Compliance.

- Piloten starten: Erste Prototypen innerhalb von drei bis sechs Monaten, um den Nutzen direkt zu validieren.

**Und danach der Schritt, den Berater-Frameworks selten explizit vorsehen: die KI-Change-Story formulieren, die diese fünf Schritte im Unternehmen trägt, statt sie als Dokument in der Schublade verschwinden zu lassen.**

## Was es an Praxishilfe schon gibt und wo ich eine Lücke sehe

Bevor Sie in Ihrem Unternehmen neu erfinden, was andere schon durchdacht haben: Wichtige Bausteine liegen bereits vor, und sie zeigen zugleich, wo die Lücke bleibt. Die Informationsplattform [eu-ai-act.info](https://eu-ai-act.info/kmu-guide.html) liefert die rechtlich-technische Einordnung für KMU – Risikoklassen, Fristen, Bußgelder –, bleibt aber bei Schulungspflicht und Dokumentation stehen. Der Digital-Experte Jörg Schieb bringt auf [schieb.de](https://www.schieb.de/eu-ai-act-so-kommuniziert-ihr-ki-regeln-richtig-im-team) die Team-Ebene auf den Punkt: Erfolgreiche AI-Act-Umsetzung sei „zu 80 Prozent Kommunikation und zu 20 Prozent Technik“. Und KI-Stratege [Neil Sahota](https://www.linkedin.com/in/neilsahota/) benennt die operative Lücke am schärfsten: Die meisten Unternehmen wissen schlicht nicht, welche KI in ihren eigenen Wänden bereits läuft, und stecken zwischen Wildwuchs und Panik. Sein Fazit trifft den Kern: Das ist kein juristisches Problem. Es ist ein Führungsproblem.

Compliance-Wissen, Team-Kommunikation, operative Inventur: Diese drei Bausteine werden erst wirksam, wenn sie in eine Führungs- und Change-Architektur eingebettet sind, die auch die unausgesprochene Ebene der Organisation erreicht – und in eine KI-Change-Story, die trägt.

## Der eine Schritt, der vor allem anderen steht

Aus den vielfältigen Change-Erfahrungen in meiner 18-jährigen Praxis als Interim Executive leite ich einen Schritt ab, dem sich Unternehmen jetzt nicht mehr entziehen können und der **vor jeder Schulung, jeder Betriebsvereinbarung und jedem Tool-Rollout** stehen muss: Setzen Sie sich mit den Verantwortlichen Ihrer Kernprozesse zusammen und **klären Sie konkret, was sich hier durch KI verändert oder verändern kann**, was bleibt – und was das für die Menschen bedeutet, die diesen Prozess heute verantworten.

Das ist die Frage, die bei der Digitalisierung meist übersprungen wurde. Awareness-Kampagnen, Schulungscurricula, Betriebsvereinbarungen: All das folgt danach, und all das läuft ins Leere, wenn diese erste Frage nicht beantwortet ist. Das Ergebnis dieser Klärung ist zugleich der Rohstoff für Ihre KI-Strategie im Sinne von Vision und Use-Case-Portfolio – und dann auch für die KI-Change-Story, mit der Sie sie im Unternehmen verankern.

## Wo ein Interim Manager konkret unterstützt

Diese Frage lässt sich nicht an eine Rechtsabteilung oder eine externe Schulungsplattform delegieren. Sie ist Führungsarbeit; und sie ist zeitkritisch. Ein Interim Manager bringt genau dafür drei Dinge mit, die intern oft fehlen: eine unabhängige Diagnose der tatsächlichen Kommunikationslage, Verhandlungserfahrung mit Betriebsrat und Sozialpartnern, und die Fähigkeit, aus einer KI-Strategie auf dem Papier eine KI-Change-Story zu machen, die im Unternehmen ankommt – ohne die interne Politik, die viele Führungskräfte bei einem so sensiblen Thema ausbremst.

> Wenn Sie wissen wollen, wo Ihr Unternehmen in dieser Story heute tatsächlich steht, zwischen Zwang und Chance, ist das der richtige Zeitpunkt für ein Gespräch.

## Ihr erster Schritt

Als Interim Executive begleite ich Unternehmen genau durch diesen Prozess: von der Prozessfrage über die KI-Strategie bis zur Kommunikationsarchitektur, die den gemeinsamen Change-Prozess trägt, statt ihn von oben zu verordnen. Ein solches Mandat beginnt nicht mit einem fertigen Konzept. Es beginnt mit einer offenen Bestandsaufnahme: Wo steht Ihr Unternehmen wirklich, jenseits der Compliance-Checkliste? Welche Prozesse sind betroffen, wer muss mitgenommen werden, und wie tragfähig ist Ihre Kommunikation heute schon? Der erste Schritt dazu ist ein Gespräch: 30 Minuten am Telefon oder per Teams, um zu klären, ob und wie ich Sie unterstützen kann. Sprechen Sie mich an!