Keine Funktionsvertretung, sondern strategische Führungsentscheidung
Unternehmen entscheiden sich für einen Interim-Kommunikationsmanager nicht nur, um eine Funktion zu besetzen, sondern um unternehmerische Handlungsfähigkeit in kritischen Phasen gezielt zu stärken.
Es geht um Situationen, in denen strategische Entscheidungen, operative Maßnahmen und kulturelle Dynamiken gleichzeitig wirksam werden müssen – unter Zeitdruck, Unsicherheit und hoher Erwartungshaltung.
In Transformationen, Restrukturierungen und tiefgreifenden Veränderungsprozessen entscheidet sich Erfolg nicht allein an Konzepten oder Strukturen. Entscheidend ist, ob Kooperation gelingt, ob Führung Orientierung schafft, ob Innovation möglich bleibt und ob interne wie externe Stakeholder Anschluss, Identifikation und Vertrauen entwickeln.
Kommunikation ist in diesen Phasen keine begleitende Funktion. Sie wird zur zentralen Dimension unternehmerischen Handelns und damit zu einer wichtigen, mandatierbaren Führungsaufgabe.
Kommunikation ist keine Begleitfunktion, sondern Steuerungsdisziplin
Im Interim Management werden Disziplinen gezielt beauftragt: Finance, Operations, Restrukturierung, IT. Diese Mandate sind klar umrissen, ergebnisorientiert und zeitlich begrenzt. Genau in diese Logik gehören Kommunikation, Stakeholder-Management und Führungskräftekommunikation.
Denn sobald Unternehmen unter Unsicherheit entscheiden müssen, verschiebt sich der Engpass:
Nicht das Was wird knapp, sondern das Wie.
- Wie werden Entscheidungen anschlussfähig?
- Wie bleiben Führungskräfte handlungsfähig – unter Druck?
- Wie wird Widerstand bearbeitet, ohne Energie zu verlieren?
- Wie wird aus Strategie koordiniertes Handeln?
An diesem Punkt wird Kommunikation zur unternehmerischen Steuerungsdisziplin mit direktem Einfluss auf Zeit, Budget, Qualität, Risiko der Projekte und auf die Reputation von Unternehmen und Management.
Ohne professionelle Kommunikation verlieren selbst exzellente Finance-, Restrukturierungs- oder Transformationsmandate ihre Wirkung.
Warum stoßen interne Kommunikation und Führung gerade dann an Grenzen, wenn sie am meisten gebraucht werden?
Ein Muster, das sich durch viele Mandate und Branchen zieht:
Je komplexer und kritischer die Situation, desto stärker geraten interne Kommunikations- und Führungsstrukturen unter Druck.
Das hat systemische Gründe:
- Kommunikationsverantwortliche sind Teil bestehender Macht-, Loyalitäts- und Konfliktstrukturen und müssen somit vielfältige, teils widersprüchliche Interessen bedienen.
- Führungskräfte tragen Entscheidungs- und Vermittlungsverantwortung gleichzeitig und sind oft nicht auf ihren Kommunikationsauftrag vorbereitet.
- Governance, Zuständigkeiten und Entscheidungswege sind in Umbruchphasen unklar oder politisch überlagert.
- Kulturelle Muster wirken besonders stark – meist bewahrend, selten offen veränderungsbereit.
In genau diesen Situationen reicht Beratung nicht aus.
Was gebraucht wird, ist Empathie mit Distanz, Klarheit und Führungskraft von außen – nicht beobachtend, sondern verantwortungsübernehmend.
Interim-Kommunikation ist ein eigenes Metier im Interim Markt
Langfristig erfolgreiche Interim-Kommunikationsmanager sind selten. Sie sind Solitäre. Nicht, weil Kommunikation ein Randthema wäre, sondern weil dieses Metier eine außergewöhnliche Kombination von Profilmerkmalen verlangt.
Interim-Kommunikation sollte man nicht bloß als verlängerte Linienfunktion oder Projektkommunikation auf Zeit verstehen; sie ist:
- führungserfahren, nicht nur fachlich kompetent
- entscheidungsnah, nicht nachgelagert
- kulturell wirksam, nicht nur formal korrekt
- ergebnisverantwortlich, nicht absichernd
Damit steht sie auf Augenhöhe mit klassischen Interim-Disziplinen und ist zugleich oft deren Erfolgsbedingung.
Was ein Interim Manager in Kommunikationsfunktion konkret leistet
Der Wert von Interim-Kommunikation zeigt sich nicht abstrakt, sondern sehr konkret – organisatorisch, strukturell, operativ, strategisch und kulturell:
- Organisatorisch & strukturell
Klärung von Rollen, Governance, Entscheidungswegen und Verantwortlichkeiten, damit Kommunikation steuerbar wird. - Strategisch
Übersetzung von Unternehmens- und Projektzielen in klare Narrative, Prioritäten und Zumutbarkeiten. - Operativ
Verzahnung von Kommunikation, Stakeholder-Management und Projektsteuerung entlang von Meilensteinen, Risiken und Wendepunkten. - Kulturell
Sichtbarmachen und Bearbeiten von Widerständen, Unsicherheiten und Konflikten, bevor sie Leistung blockieren. - Als Führungskraft
Temporäre Übernahme kommunikativer Führung dort, wo interne Führung nicht mehr trägt – stabilisierend, richtungsgebend, wirksam.
Genau dadurch tragen Interim-Kommunikationsmanager messbar dazu bei, dass Zeitpläne gehalten, Budgets nicht verbrannt und Qualitätsziele erreicht oder sogar übertroffen werden.
Der spezifische Wertbeitrag von Kommunikation im Interim Management
Dieser Wert entfaltet sich entlang mehrerer gleichzeitig wirksamer Dimensionen:
- Herstellung und Sicherung von Entscheidungsfähigkeit
Entscheidungen werden verstanden, eingeordnet und umgesetzt – auch unter Ambiguität. - Reduktion von Risiken und Reibungsverlusten
Widerstände, kulturelle Brüche und Stakeholderkonflikte werden früh erkannt und bearbeitet. - Sicherung kollektiver Arbeitsfähigkeit
Kommunikation strukturiert Orientierung, Dialog und Kooperation, und zwar intern wie extern. - Führung auf Zeit
Dort, wo Führung kommunikativ oder kulturell überfordert ist, wird sie temporär ersetzt, stabilisiert und weiterentwickelt.
Das ist keine „weiche“ Arbeit.
Das ist harte Managementarbeit.
Warum Profil, Haltung und Führung hier entscheidend sind
Dieses Metier lässt sich nicht standardisieren, nicht skalieren und nicht über Tools ersetzen.
Wirksame Interim-Kommunikation entsteht dort, wo Erfahrung, Haltung und Führungsfähigkeit zusammenkommen.
Die Anforderungen in Mandaten der Kommunikation, des Change Managements, der Transformation und der Stakeholder Relations haben sich im Lauf der Jahre verändert. Früher stand die fachliche Erfahrung im Vordergrund. Aber schon seit langem werde ich nicht mehr beauftragt, weil ich Kommunikation „kann“.
Ich bekomme den Zuschlag, weil ich in kritischen Situationen Führung über Kommunikation herstelle – mit Klarheit, Standfestigkeit und der Fähigkeit, Organisationen arbeitsfähig zu halten, wenn Routinen nicht mehr tragen.
Genau deshalb ist Interim Management hier keine Notlösung, sondern eine bewusste Entscheidung von Unternehmen für ein spezielles, zur Anforderung passendes Manager-Profil.
Kommunikation ist Führungskapital auf Zeit
Die entscheidende Frage für Vorstände und Geschäftsführer lautet nicht:
Haben wir eine Kommunikationsabteilung?
Sondern:
Haben wir in dieser Situation die kommunikative Führungsfähigkeit, die wir jetzt brauchen?
Wenn die Antwort darauf unsicher ist, wird Interim Management in Kommunikation, Change und Stakeholder Management zur strategischen Management-Entscheidung.
Nicht, um Worte zu finden (am Ende geht es natürlich auch um sprachliches Feingefühl, ohne das Kommunikation grundsätzlich nicht gelingt). Sondern um Führung wirksam zu machen, wenn Organisationen an ihre eigenen Grenzen stoßen.
Kurzum:
Kommunikation im Interim Management sollte man nicht als Marketinginstrument oder Erklärservice betrachten oder gar als Imagepflege.
Sie ist vielmehr die Bedingung dafür, dass Unternehmen in kritischen Phasen entscheidungsfähig, handlungsfähig und arbeitsfähig bleiben.
Oder anders gesagt:
Ohne Kommunikation scheitert jede Transformation leise.
Mit wirksamer Interim-Kommunikation bekommt sie die Chance, zu tragen.



